Abschlussfeier:

Insgesamt 28 Schülerinnen und Schüler der Freien Schule Lindau haben auch in diesem Jahr wieder ihre staatlichen Schulabschlüsse bestanden:

4 Jugendliche freuten sich über ihren erfolgreichen Hauptschulabschluss, 14 haben als externe Prüflinge der Mittelschule Aeschach den Qualifizierenden Abschluss der Mittelschule und 10 weitere Jugendliche den Mittleren Schulabschluss erlangt.

Und das haben sie am vergangenen Freitag mit einem bunten Programm, selbst gemachter Musik, leckerem Buffet und vielen Verwandten und Freunden im Zeughaus gefeiert.

Das?

Ein bisschen paradox sei die Situation ja schon, bekannten Schulleiterin Sabine Starz und ihr Kollege Lars Schwend in ihrer Begrüßungsrede: Da feiert eine Schule, die seit 14 Jahren bewusst auf Noten verzichtet, am Ende eines Jahrgangs doch wieder Notenzeugnisse? Ein Widerspruch?

„Ja, einerseits… Andererseits auch nicht“, so die Schulleitung. Denn auch wenn die Schule für sich entschieden habe, dass sie keine Noten wolle, sei sie dennoch stolz darauf, dass die Jugendlichen der Prüfungsstufe den Abschluss geschafft, ihr selbstgestecktes Ziel erreicht haben.

 

Wichtig sei zuerst jedoch etwas anderes: „Wir feiern Eure Abschlüsse, aber vor allem feiern wir Euch! Wir feiern die, die ihr vom ersten Schultag an wart und die ihr in den letzten 10 Jahren geworden seid. Wir freuen uns an euren guten Noten, wohl wissend, dass sie letztlich nicht das sind, was uns und Euch ausmacht.“

Denn dieses „Schule ohne Noten“  habe man sich ja nicht einfach ausgedacht, weil man es „irgendwie schöner fand“, oder leichter.

Nein, man habe diesen Weg gewählt, weil man zutiefst überzeugt sei, dass er richtig und wichtig ist:

Dass Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit miteinander und aneinander wachsen und in ihrer Schulzeit lernen, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und verantworten. Und die das schaffen, was sie sich vorgenommen haben.  

Denn an der Freien Schule kommt niemand einfach nur so, ganz automatisch in die Prüfungsstufe. Dieser Schritt ist eine bewusste Entscheidung jedes einzelnen Jugendlichen.

Und DAS sei es letztlich, wofür die Schule von der ersten Klasse an stehe: Dass Schüler lernen, ihrem persönlichen Weg, ihren Interessen und den daraus erwachsenen Zielen zu folgen- ohne Bewertung von außen. Dass sie  Menschen werden, die wissen, was sie wollen, die  ihre Ziele verfolgen und sich dafür einsetzen, sie zu erreichen.

Und wenn es nach den individuellen Abschlussprojekten in der 8. Klasse am Ende der Schulzeit ihr Ziel sei, einen staatlichen Abschluss zu bestehen, dann eben dieses Ziel zu verfolgen.
Auf diesen Einsatz, dieses Lernen sei man dann doch stolz.

Die staatlichen Zeugnisse bezeugen nun auch nach außen, dass die Jugendlichen mit den Anforderungen zurechtkommen. Dass sie externe Erwartungen erfüllen und von außen gesetzte Anforderungen bestehen können.

Und das sei auch nach 14 Jahren noch eine der meistgestellten Fragen, die der Schule gestellt werden: „Schaffen die denn das dann in der „echten Welt“?“

Auf diese Frage sage die Schule nie „Ja!“, so die Schulleitung, denn das wisse man ja nicht, könne es nicht versprechen. Man sage: „Ja, wenn sie es wollen, wenn das ihr Ziel ist, wenn sie sich dafür einsetzen, dann ja!“

Und ganz offensichtlich haben sie gewollt!

 

Nach dieser Eröffnung und Grußworten von Stadtrat Werner Schönberger boten die Schülerinnen und Schüler der Prüfungsstufe den begeisterten Gästen ein buntes Programm: Ein Moderatoren-Team führte durch den Abend, eine extra für diesen Abend zusammen gestellte kleine Band gestaltete die Übergange im Programm. Die Jugendlichen ließen das Publikum in Tanz- Theater- und Musikszenen an einem „ganz normalen“  FSL-Tag teilhaben und gewährten Einblicke und Rückblicke auf ihre Schulzeit. Da gab es getanzte Szenen am Montagmorgen, Theatersequenzen aus dem Koch-Unterricht, der von allen geliebte Hausmeister und sein Kampf gegen die Unordnung  wurden auf der Bühne lebendig und in selbst gedrehten und geschnittenen Filmen zeigten die Jugendlichen Impressionen ihrer Klassenfahrten nach Berlin und nach Valencia.

Nun schon zum dritten Mal hatten sie das Fest komplett selbst konzipiert, geplant und organisiert. In einem Team gemeinsam mit Eltern und ihren Lehrern haben sie von der Dekoration bis zu den Tischkarten, den Absprachen mit dem Caterer und der Organisation der Einsatzpläne für Bar und Technik ein rundum gelungenes Fest auf die Beine gestellt.  In zwei Projektwochen im März und im Juli wurden mit Tanztheaterlehrerin Susanne Rigo und Robert Pakleppa als musikalischem Berater die Tanz –und Theaterszenen entwickelt und die Gesangsstücke geprobt. Die Stufenleitungen Ann-Katrin Zirn und Andreas Rommel begleiteten die Ablaufplanung und den organisatorischen Rahmen.

So bescherten sie den begeisterten und oft berührten Gästen ein letztes Mal das, als das wir sie in den letzten Jahren kennengelernt haben: Kreative, aktive und engagierte junge Menschen. Stolz auf ihre erfolgreichen Abschlüsse und in Vorfreude auf einen neuen Lebensabschnitt.

Und so wurden bei der feierlichen Zeugnis-Übergabe durch Klassenlehrerin Ann-Katrin Zirn und der Verabschiedung der scheidenden Familien durch die Schulleitung dann doch auch ein paar Tränen bei Eltern, Pädagogen und Schülern weggewischt in dem Bewusstsein, dass die gemeinsame Zeit nun wirklich zu Ende geht. Wobei allein die Anwesenheit der vielen Ehemaligen zeigte, dass die Verbundenheit und Vertrautheit der „FSL-Familie“ weiterträgt, auch lange über die Schulzeit hinaus.

„Ihr hattet 10 Jahre Zeit mitzudenken, mit zu entscheiden, mit zu gestalten“, wandte sich Sabine Starz an die Jugendlichen, „Ihr hattet Zeit euch zu entwickeln und herauszufinden, wer ihr seid und was ihr erreichen wollt. Und eure an unserer Schule letzte Entscheidung war die, dass ihr diesen staatlichen Schulabschluss machen wollt und ihr habt bewiesen, dass ihr das könnt. Dass ihr euch Anforderungen von außen stellen könnt und euer Bestes geben.“

Ehrlicher Weise müsse man aber auch zugeben: „Nur mit „Eurem Besten“ stünde jetzt keiner von euch hier, ihr seid diesen Weg, der euch bis hierher geführt hat nicht allein gegangen.“

An dieser Stelle bedankte sich die Schulleitung bei allen, die die Jugendlichen in den letzten Jahren begleitet und unterstützt haben: Eltern, Pädagogen, Freunden. Und in den letzten Monaten vor allem auch den Lehrerinnen und Lehrern der Mittelschule Aeschach, die die Schüler der Freien Schule so wohlwollend aufgenommen, fair geprüft und begleitet haben in einer Phase, „in der WIR euch loslassen mussten.“

Jetzt ist es geschafft. Diese Abschlüsse sind ein „Etappenziel“. Einige Jugendliche bleiben noch, um im nächsten Jahr den Mittleren Schulabschluss zu machen, andere gehen in den Beruf, in Ausbildungen oder an die umliegenden Gymnasien.

 

Zum Abschluss begeisterte ein Film, den die Jugendlichen zu Herbert Grönemeyers „Sekundenglück“ gedreht und geschnitten hatten- mit ihren ganz persönlichen „Sekundenglücken“.

Ein berührendes Herzensprojekt, bevor das Fest mit Musik und Tanz bis spät in die Nacht ausklang.

 

Die Absolventen der Freien Schule:

Erfolgreicher Hauptschulabschluss:

Melina Ehrle, Jana Graz, Marlon Karnolt, Luca Siebert

 

Qualifizierender Abschluss der Mittelschule (QA):

Jannis Bothner, Linus Feustel, Gabriel Frierson, Marlon Gliedt, Linus Harder, Franca Heumann, Jonathan Kindermann, Nike Pfaue, Timo Pröls, Pia Rainalter, Simon Schuchmann, Mayra Zauner, Birk Zeller, Nicolas Wydra

 

Mittlerer Schulabschluss (MSA):

Valentin Altenried, Ammon Fugel, Pia Krause, Henry Matenaer, Emilian Merkel, Jakob Mosert, Johann Schielin, David Vogel, Kim Vogler, Lin Wang