Aus der Rubrik Schüler schreiben:
Waffen am Bodensee

So heißt ein in Lindau ansässiger Verein, der sich wie der Name sagt, mit der Produktion und dem Export von Waffen aus dem Landkreis Bodensee beschäftigt. Passend zu dem damaligen Stammgruppenthema „Krieg & Frieden“ der Stufe Vertiefen, interviewte ein Schüler der Stufe am 06.07.2018 den Vorsitzenden des Vereins Frieder Fahrbach.

Dieser zog 2012 von Stuttgart nach Lindau an den Bodensee, um dort seinen Ruhestand zu genießen. Relativ schnell wurde er jedoch auf etwas aufmerksam, das nicht zur idyllischen Region des Bodensees passte. Die boomende Rüstungsproduktion. Deshalb gründete er 2014 zusammen mit anderen Gleichgesinnten einen Verein, der sich gegen Waffen vom Bodensee stellt. Für diesen arbeitet er ehrenamtlich und möchte so seine Jahre als Rentner noch einmal für etwas, was ihm wichtig ist, einsetzen. Der Verein besteht aus zwei Teilen: Dem einen, der das Problem darstellt und dagegen demonstriert (www.waffenvombodensee.de) und dem anderen, der die Lösung für den Waffenhandel in Form von Frieden zu verbreiten versucht (www.friedensregion-bodensee.de). Dies ist auch ein Teil der Philosophie der Organisation, nämlich dass man nicht einfach gegen den Krieg demonstrieren kann, ohne eine Lösung für Frieden zu haben.

Das Hauptengagement der Organisation liegt in Deutschland und bei deutschen Waffenherstellern. Allerdings gibt es auch länderübergreifende Zusammenarbeit mit Vereinen aus der Schweiz. Dort gibt es zum Beispiel in Kreuzlingen ein Werk von MOWAG (General Dynamics, USA), das Kampfpanzer herstellt, so wie es in Deutschland Airbus Defence & Space gibt, wo Kampfflugzeuge, Drohnen und Satelliten entwickelt werden. Viele der Firmen produzieren auch nicht hauptsächlich Waffen, sondern eigentlich ganz normale Produkte. So gibt es zum Beispiel die ziemlich große und bekannte Firma ZF aus Friedrichshafen, die man für ihre fortschrittlichen Technologien im Bereich Mobilität kennt. Dass ZF aber auch Motorteile für Panzer, U-Boote und andere Spezialfahrzeuge produziert, wissen dagegen viel weniger Leute. Informationen zu weiteren Waffenproduzenten und welche Waffen diese herstellen, kann man auf der bereits genannten Internetseite www.waffenvombodensee.de finden.

Als kleine Organisation gegen so viele Wirtschaftsriesen vorzugehen, bringt natürlich erst einmal sehr wenig und hat bei den Firmen bis jetzt keine Wirkung. Das ist zwar das große Ziel, aber um dorthin zu kommen versucht der Verein erst einmal mit Flyern, Vorträgen oder auch Workshops, Informationen über die Waffenproduktion am Bodensee zu verbreiten. Diese bekommt der Verein durch den gesetzlich geforderten Waffenexportbericht, der allerdings nur alle vier Jahre vorgelegt werden muss, von den Internetseiten der Hersteller, aus Zeitungsartikeln etc. und auch von Mitarbeitern der Firmen, die sich manchmal interviewen lassen.

Der andere Teil der Arbeit ist nach Lösungen für das Problem Krieg, Waffen und Gewalt zu suchen. Dabei muss man erst einmal erforschen, warum es überhaupt Kriege und so viel Gewalt in unserer Welt gibt und schauen, was wir hier darauf für Einwirkungen haben, damit wir diese zum guten Wenden können. Ein Hauptgrund, mit dem ich mich bis vor dem Gespräch nur mäßig befasst hatte, ist wahrscheinlich der Luxus und Wohlstand, den wir in den reicheren Ländern haben, denn umso besser wir es uns hier gehen lassen, umso schlechter geht es in vielen Hinsichten anderen Menschen in ärmeren Ländern. Ein Beispiel ist der Klimawandel. Der Großteil der CO2 Emissionen stammt aus den reicheren, nördlicheren Ländern. Diese bekommen den Klimawandel zwar zu spüren, aber für die Meisten war es lange Zeit kein großes Problem. Für die ärmeren Länder hingegen, die meist auch weiter südlich liegen, sind 2°C mehr einfach nicht mehr erträglich und machen das Leben dort schwer möglich. Durch solche Fälle entstehen dann Flüchtlinge, die in den reicheren Ländern zum Teil nicht willkommen sind, obwohl diese häufig verantwortlich für den Grund der Flucht sind. Einen ähnlichen Fall gibt es auch beim Waffenhandel, der ziemlich leicht durch den Spruch „Waffen exportieren, Flüchtlinge importieren“ zu erklären ist. Das ist eine der Sachen, bei der jeder selbst aufpassen muss, dass man so lebt, dass niemand daran Schaden nimmt, oder am besten, dass andere auch etwas Gutes davon haben.

Zum Schluss ging es einfach noch einmal darum, wie denn für Herr Fahrbach eine optimale Lösung für Krieg und Gewalt aussieht. Diese besteht aus zwei Teilen. Der Erste, der sozusagen essentiell für den Zweiten ist, besteht darin in Frieden mit sich, mit anderen Menschen und mit der Natur leben zu können. Der Zweite Teil ist eine sogenannte Zivilkonversion. Das bedeutet alle militärischen Aktivitäten in gewaltfreie und gemeinnützige Aktivitäten umzuwandeln, also anstatt Kampfflugzeuge Passagierflugzeuge zu produzieren oder Konflikte nicht mit Gewalt sondern verbal zu lösen. Dazu muss aber erst einmal jeder einzelne daran glauben, dass so etwas funktionieren kann, denn Frieden kann nicht nur durch kleine Gruppen geschaffen werden, alle müssen mithelfen Frieden entstehen zu lassen und aufrecht zu erhalten.

Henry Matenaer