Was uns ausmacht: Jahrgangsgemischte Gruppen

Jede natürliche Form menschlicher Gemeinschaft ist altersgemischt, die erste „altersgemischte Lerngruppe“, die ein Kind erlebt, in die es hineingeboren wird, ist die Familie. 
Jahrgangsgemischte Lerngruppen sind deshalb der Punkt unserer „Was uns ausmacht“ – Reihe und fassen die ersten drei zusammen:

In einer Gemeinschaft, die den Anspruch hat, „familiär“ zu sein (1) und die eine gemeinsame Schulzeit von der 1. bis zur 10. Klasse ermöglicht, macht eine künstliche Trennung nach Alter schlicht keinen Sinn.In einer Gemeinschaft, die Vielfalt leben will (2) und die Chancen, die sich daraus ergeben, bewusst wahrnimmt und nutzt, ist Sortieren nach Alter, Kenntnisstand und Leistungsvermögen keine Option.

Und auch die Erwachsenen sind bei uns ja verschieden. Haben unterschiedliche Ausbildungen, Schwerpunkte und Erfahrungen, die sie untereinander und mit den Kindern und Jugendlichen teilen (3)

Deshalb arbeiten wir „In durchgehend altersgemischten Gruppen“, deshalb “lernen wir miteinander und voneinander, unterstützen einander und erfahren den Wert der Verschiedenheit unserer Erfahrungen & Sichtweisen und der Einmaligkeit jedes Einzelnen.“

Je unterschiedlicher Kinder (und Erwachsene!) in einer Gruppe sind, desto eher können sie voneinander lernen, sich gegenseitig helfen. Die Jüngeren sehen, was die Größeren tun, eifern ihnen nach, „wollen auch“ und bitten um Erklärungen, die Großen werden zu Vorbildern und im besten Sinn Lehrern. Jüngere Kinder lassen sich gerne von Älteren erklären, Ältere geben ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter und wachsen daran.

Aber kommen die Großen dann noch zu „Ihrem“, wenn sie „Lehrer“ für die Kleinen sind??? Eine immer wieder geäußerte Sorge. Aber ja. Kommen sie. Denn um jemand anderem etwas zu erklären, muss man sich sein eigenes Können bewusst machen, muss es analysieren und in „Lernhappen“ zerlegen, muss überlegen, wie funktioniert das? Wie hab ich das gemacht? Klappt das immer so? …

Diese Arbeit festigt und vertieft das eigene Können und geht damit weit über „Ergebnisse vorsagen“ hinaus. Daran wachsen beide. Und natürlich gibt es auch Momente und Phasen, wo sie sagen dürfen: Jetzt nicht. Ich arbeite grad an Eigenem. Wie in jeder Familie auch. Damit umgehen zu lernen gehört auch dazu.

Und anders als in der Familie ist in altersgemischten Lerngruppen ja jedereinmal der Jüngste, dann der Mittlere und schließlich der Große, das Vorbild, bevor er sich in der nächsten Lerngruppe wieder neu orientieren muss, sich wieder als Kleinster erlebt.

Auch das eine wichtige Erfahrung. Meine Rolle verändert sich! Ich entwickle mich ständig weiter, kann immer Neues erfahren, bin je nach Kontext der Kleine oder der Große, kann von anderen lernen und immer auch mein Können und Wissen weitergeben.

Unsere Lerngruppen umfassen jeweils etwa 3 Jahrgangsstufen. Diese Form hat sich in vielen reformpädagogischen Schulen bewährt. So ist der Altersunterschied groß genug, um ein natürliches Entwicklungsgefälle entstehen zu lassen, aber klein genug, um keine zu großen Unterschiede in den Bedürfnissen zu haben, die dann zu Aus-und Abgrenzungen führen würden.