Tanztheater bei Weitergehen

Andreas und Anne, ihr seid die Stammgruppenleiter der verschiedenen Prüfungsklassen, und führt derzeit ein einwöchiges Theaterprojekt mit beiden Klassen gemeinsam durch, das im Juli mit einer weiteren Woche eine Fortsetzung erfährt.  Die Frage an euch: ist es tatsächlich sinnvoll und auch zielführend, in den Prüfungsklassen solche Projekte durchzuführen?

A: Wir können nur mit einem überzeugten JA antworten. Auch Weitergehen ist eine Stufe innerhalb des pädagogischen Konzeptes der Freien Schule - und wir definieren auch hier Lernen als ein sich Weiterentwickeln auf mehreren Ebenen. Dass dies nicht ausschließlich durch Wissens-erarbeiten über Lernfächer geschieht ist ein grundlegender Ansatz, den wir auch in dieser Stufe überzeugt vertreten. Die Erfahrung gibt uns recht.

Frage: Die Freie Schule ist im Vergleich noch jung und wir sind nun im 4. Jahr der Prüfungsklassen. Wo seht ihr euch heute, wo geht die Entwicklung hin?

A: Nun, das Gesamtkonzept dieser Stufe steht nach 3 Jahren. Alle Prüfungen waren bislang erfolgreich, woran wir alle geglaubt haben, aber dennoch waren die ersten Ergebnisse mit Spannung erwartet worden. Die Schüler, die sich für die jeweiligen staatlichen Prüfungen entschieden hatten, wollten natürlich gefordert und gefördert sein. Es ist gelungen, einen klaren Rahmen, eine klare Struktur  zu schaffen - und innerhalb dieser Struktur entstand die Möglichkeit, neue Impulse zur Kreativität zu schaffen. Wir sind überzeugt, dass ein kreatives Miteinander ein wunderbarer Ausgleich zur Lernatmosphäre ist. Und, in der Tat, wir denken weiter und werden im kommenden Schuljahr auch den Kunstunterricht als zweite kreative Schiene einbauen. 

Frage: Könnt ihr näher erläutern, wie genau dieser Ausgleich über kreatives Tun zustande kommt?

A: Es ist ja kein Geheimnis, dass das Gehirn Pausen benötigt, um voll leistungsfähig und aufnahmefähig zu bleiben. Aber, es geht uns um mehr: Eine kreative Beschäftigung setzt Kräfte frei, es entsteht ein Freiraum in dem sich Lehrer und Schüler, aber auch Schüler untereinander immer wieder neu begegnen können. Wir erleben, dass während der Lernphasen die Schüler weitestgehenst mit sich selbst beschäftigt sind, im kreativen Arbeiten entsteht wieder Begegnung, es entsteht etwas aus dem Gemeinsamen heraus. Die einzelnen Schüler erleben wieder Spaß, Leichtigkeit und stärken somit auf spielerische Weise ihr Selbstbewusstsein. Immer wieder erfahren zu dürfen - ohne Worte - dass es neben dem Fokussieren auf ein Lernziel noch andere Momente gibt, geben darf und geben soll, das ist der eigentliche Hintergrund. Wir wollen Impulse setzen, mit der Absicht, einer möglichen Einseitigkeit entgegenzuwirken. 

Frage: Ihr habt euch für ein Theater- und Tanzprojekt entschieden. Wer genau hat sich dafür ausgesprochen, habt ihr Lehrer oder die Schule hier Vorgaben gemacht? 

A: Zu Beginn des Schuljahres haben wir im Stammgruppenrat über die kreativen Möglichkeiten gesprochen, die Ideen wurden sehr schnell eingebracht und am Ende wurde abgestimmt. Die Wahl fiel auf das Theater-Tanzprojekt und auf Susi Rigo als begleitende Fachfrau. Die meisten Schüler kennen sie als langjährige FSL-Mutter und schätzten ihren Unterricht als Theater-Tanz-und Erlebnispädagogin an unserer Schule. 

Frage: Wie genau darf man sich nun die Umsetzung dieses Theater-Tanzprojektes vorstellen?

A: Nun, zu viel vom Inhalt wollen wir nicht verraten, denn die Schüler haben sich entschieden, das Erarbeitete an ihrem Abschlussball präsentieren zu wollen. Von der Herangehensweise hatte Susi eine wunderbare Idee, indem sie Fotos der verschiedensten Situationen auslegte und filmische Aufnahmen von Tänzen und Auftritten der letzten Jahre zeigte. Die Schüler erkannten sich, kamen ins Gespräch, erzählten sich gegenseitig Begebenheiten, schwelgten in Erinnerung. Es war herrlich. Mit Blick auf die Vergangenheit entstanden nach und nach Szenen - immer wieder unterstützt durch gruppendynamische Übungen. Am Ende wurden aus dem Topf der Erzählungen 4 prägnante Szenen ausgewählt, die nun in Kleingruppen eigenständig ausgearbeitet und spielerisch umgesetzt werden.

Frage: Ich erlebe euch voller Überzeugung, ich sehe, wie intensiv die Schüler miteinander Szenen erarbeiten. Eine offene Frage. Waren denn alle Schüler und auch Eltern einverstanden mit dieser Vorgehensweise, in den Prüfungsklassen Theater-und Tanz auf den Lehrplan zu setzen?

A: Nein, es gab tatsächlich vereinzelt Stimmen von Schülern und auch von Eltern, die kein Verständnis hatten für diese Entscheidung, die gerne ihren Fokus auf die Prüfungsinhalte halten wollten, vielleicht auch keine Lust auf Theater und Tanz hatten. Hier sind wir ins Gespräch und haben hie und da miteinander gerungen. Aber blieben in der Sache fest. Wir vertreten klar und deutlich die Meinung, dass Prüfungen nicht alles sind im Leben. 

Frage: Ein wunderbarer Schlusssatz - vielen Dank