Was steckt dahinter? Die neue Theaterproduktion an der FSL

Zum ersten Mal wird in diesem Jahr eine Theatergruppe der FSL bei den „Theatertagen am See“ (www.theatertageamsee.de) in Friedrichshafen dabei sein. Mit ihrem Stück “Was steckt dahinter“ haben sich die 9-15-jährigen bei den Kinder-, Jugend- und Schultheatertagen der Theatertage am See beworben, die in diesem Jahr unter dem Thema >>grenzen los>> stehen. 

Am 5. April um 11:00 Uhr spielen sie ihr Stück in der Bodenseeschule in Friedrichshafen.

 

In diesem Rahmen findet auch der Wettbewerb des „LAMATHEA - Landesamateurtheaterpreis Baden-Württemberg“ statt, für den die Gruppe mit ihrem Stück ebenfalls angenommen wurde.

Schon am 14. und 23.03. hob sich erstmals der Vorhang im Kiesel k42 in Friedrichshafen für die Theatergruppe, die diesen Rahmen als „Generalprobe“ für die Aufführung bei den Theatertage nutzte, Bühnenerfahrung schnupperte und letzte Änderungen am Stück entwickelte. Die Rückmeldungen und der Applaus des tief beeindruckten Publikums bestätigte sie in ihrer Arbeit, die sicher nicht immer leicht war.

Bis es soweit war, gingen die Schülerinnen und Schüler mit ihren beiden (Theater-) Lehrerinnen Ute Bisinger und Francesca Motta einen langen Weg.
Denn es ist ein schweres Thema, für das sie sich entschieden haben und mit dem sie sich über ein halbes Jahr auseinandersetzten: Ein Amoklauf in einem Einkaufszentrum in Berlin, eine massive Grenzüberschreitung. Die Charaktere des Stückes (6 Personen, die im Einkaufszentrum waren, darunter die Täterin und eine Polizistin) wurden von den Schülerinnen und Schülern erarbeitet, die Texte dazu von ihnen geschrieben und gemeinsam mit den beiden Lehrerinnen in  Szenen gesetzt. Bei der Inszenierung sieht man von jedem Charakter, was dieser im Einkaufszentrum erlebt hat und das Verhör dazu bei der Polizei. Ein theatraler Chor stellt dabei das Innenleben, die Gefühle, Emotionen, Geheimnisse und Wahrheiten der Charaktere dar.

Und bei allem, was die Theatergruppe während der Produktion tat, war der Titel des Stückes Programm: „Was steckt dahinter?“ 

Was kann hinter solch einer Tat stecken?

Was steckt hinter den Charakteren? Wie sieht es in ihnen aus? Wie kann ich so etwas ehrlich darstellen? Wie kann ich meinen eigenen Zugang finden und nicht nur so tun als ob?

Ein Schwerpunkt der Arbeit war, zu verstehen. Die Schülerinnen und Schüler kreierten eine Täterin, die durch Mobbing und schlechte Behandlungen zu ihrer Tat getrieben wurde. Doch sie blieben mit ihren Gedanken nicht bei ihr stehen.

Wer wird gemobbt? Warum mobben Menschen andere? Was steckt hinter diesem Umgang miteinander? Woher kommen die zugrunde liegenden Emotionen, Ängste, Unsicherheiten? Und wer ist dafür verantwortlich, dass es Menschen gibt, die mobben… man kann diese Reihe ewig fortsetzen.

Und natürlich war ein großes Thema auch die Schuldfrage. Wer ist am Ende Schuld? Wer trägt eine Mitschuld? Wer hätte was tun können? Wie hätte man was verhindern können?

Die letzte Frage bleibt für jeden die Gleiche: Was lernen wir daraus und was nehmen wir uns anhand dessen für unsere eigene Zukunft vor?

Genau mit dieser Frage beschäftigte sich auch die Theatergruppe, doch präsentierten sie ihre Lösung nicht dem Publikum. Dieses bleibt mit einer offenen Frage, einem Gefühl der Beklemmung und ganz ohne Lösungsvorschlag zurück. Bewusst! Damit jeder sich selbst reflektieren und ins Nachdenken kommen kann. Denn Theater kann schön und erfüllend sein, es kann aber auch, wie in diesem Fall, ungemütlich sein, das Publikum auf sich selbst und eigene Themen zurück werfen und es zum Nachdenken zwingen. Dadurch polarisiert das Stück: „Was steckt dahinter?“ Doch auch das muss sein. Und Diskussionen danach zwischen den Zuschauern sind nicht nur gestattet, sondern gewünscht und gewollt.

Die Schülerinnen und Schüler gingen mit ihren Lehrerinnen wie gesagt einen langen Weg. Immer war wichtig nicht nur an einem Stück, sondern auch an sich selbst zu arbeiten, sich selbst wahrzunehmen und sich selbst auch zu hinterfragen, um gestärkt aus dem Prozess heraus zu gehen. Eigene Grenzen wahrnehmen, spüren, prüfen, verschieben, erweitern. Sich begleitet und strukturiert auseinanderzusetzen mit großen Fragen und großen Themen.

Es hat sich gelohnt. Für jeden Einzelnen und für das Stück.

Wer dieses noch sehen möchte: Es gibt noch Karten für die Aufführung bei den Theatertagen am 5. April in Friedrichshafen. Reservierungen unter: 07541-912632